Jazz für den guten Zweck

Das Benefiz-Konzert der FR-Altenhilfe bringt wunderbar Vertrautes, aber auch echte Premieren. Die kulinarische Seite kommt fast zu kurz, so sehr begeistern sich die 500 Zuhörer in der proppevollen Katharinenkirche an der Musik.

Die Kerzen auf den langen Tischen werfen ein warmes, zitterndes Licht. Das Publikum schmaust Kreppel und Lebkuchen, Brote mit Griebenschmalz, immer neue Krüge mit Ebbelwei kreisen. Doch die kulinarische Seite kommt fast zu kurz, so sehr begeistern sich die 500 Zuhörer in der proppevollen Katharinenkirche an der Musik. Immer wieder reißen Jazz und Blues sie von den Sitzen: Das Benefiz-Konzert der FR-Altenhilfe ist auch ein außergewöhnliches musikalisches Erlebnis.

Dafür hat Bernd K. Otto gesorgt, der Leader der „ältesten Boy Group aus Hessen“: So stellt der Mann mit dem Banjo selbstironisch die Red Hot Hottentots vor. 1972 gegründet, seit 1975 für die Altenhilfe aktiv: Früher spielten sie nicht im mollig warmen Kirchenschiff, sondern draußen auf der Hauptwache bei „minus zehn Grad, da froren uns die Instrumente ein“. Otto hat gerufen: Und wie immer kamen viele Freunde und namhafte Jazzer, um für den guten Zweck aufzuspielen.

65 Jahre Altenhilfe: FR-Chefredakteur Arnd Festerling dankt den Menschen, die gekommen sind und die „ein ganz tiefes Gefühl für Gerechtigkeit“ bewiesen. Und die ehrenamtliche Stadträtin Erika Pfreundschuh (CDU) blendet zurück auf die lange Geschichte der Hilfsaktion: schon im ersten Winter damals 400 bedürftige Familien versorgt, bis heute 30 Millionen Euro gesammelt, Auszeichnung mit der Walter-Möller-Plakette.

Einige der Spender sind auch schon seit Jahrzehnten eine feste Bank: Hilde Ries etwa, die an ihren Ständen auf dem nahen Frankfurter Weihnachtsmarkt eine insgesamt sechsstellige Summe sammelte.

Und Gina Lülves, die Geschäftsführerin der Altenhilfe und dort seit mehr als 35 Jahren engagiert, verkündet am Rande des Konzerts ein tolles Zwischenergebnis: Schon 600 000 Euro hat die diesjährige Sammlung erbracht.

„Machen Sie so weiter die nächsten 65 Jahre!“, ruft Pfreundschuh noch. Und die Leute im Publikum nehmen sie beim Wort: Viele fragen an diesem Abend, wo sie Spenden loswerden könnten, nicht nur Geld, auch Kleidung, Kühlschränke und vieles mehr.

Und dann die Musik. Sie bringt wunderbar Vertrautes und echte Premieren. So erklingt zum Beispiel erstmals auf der Kirchenorgel eine verträumt-elegische Version von „Do you know what it means to miss New Orleans“. Und wenn die Hottentots mit Wilson Oliveira, früher hr-Bigband, an der Klarinette und dem eleganten Martin Auer an der gestopften Trompete „Up the lazy river“ steuern, dann ist natürlich der Main gemeint.

Tony Lakatos, der ungarisch-stämmige Saxofonist, lässt an diesem Abend die hr-Bigband hinter sich, um sich mit Wilson Oliveira, jetzt auch mit Tenorsaxofon, ausgefeilte musikalische Duelle zu liefern. Und natürlich fiebern die Leute dem Auftritt von Christoph Oeser entgegen, des besten deutschen Boogie-Woogie-Pianisten, angekündigt als „the one and only“. Er beginnt mit einem klassischen, langsamen Boogie aus den 20er Jahren, doch nach 20 Uhr ist kein Halten mehr. Der Saal tobt ob seiner rasanten Läufe auf dem Klavier.

Der Pianist Dirk Raufeisen kommt hinzu, die beiden spielen jetzt vierhändig, wechseln im Stakkato auf den Tasten die Plätze vorm Klavier, tauschen wieder zurück. Das Publikum rast. Die beiden fallen zusammen in den melancholischen „Slow Blues in G“ und enden auf der „Road 66“ mit Raufeisen auch als Sänger. Großer Applaus.

Dann ziehen die Hottentots als Marching Band durch die Kirche, tauchen in die begeisterte Menge ein, während die ehrenamtlichen Helfer in ihrer improvisierten Küche noch immer Schmalzbrote schmieren und mit Gurkenscheibchen dekorieren. Es wird ein langer Abend.