Konzert Red Hot Hottentots 2015

Die Stadt hakt sich unter

Der große Abend der FR-Altenhilfe – Die „Red Hot Hottentots XXL“ in der Katharinenkirche

Von Claus-Jürgen Göpfert                                                                               FR vom 30.11.2015

Einmarsch der Band zu Beginn des Konzerts

Die „Red Hot Hottentots“ beim Einzug zu ihrem traditionellen Konzert in der Katharinenkirche. Foto: Alex Kraus

Das Benefizkonzert der FR-Altenhilfe hat Tradition. Dieses Jahr ist trotzdem alles anders. Hunderttausende suchen Schutz vor Krieg und Terror. OB Feldmann spricht vom Willkommen für Flüchtlinge und Unterstützung der bedürftigen Alten.

Der wirbelnde Sonnenschirm am Kopf des musikalischen Lindwurms streut die Farben des Regenbogens. Die Menschen springen auf von den Bänken der überfüllten Katharinenkirche und klatschen rhythmisch zur Musik, als die Band mit dem Klassiker „Bourbon Street Parade“ durch den Mittelgang einzieht. Bernd K. Otto mit dem Banjo vorneweg, gefolgt von den Ur-Mitgliedern der „Red Hot Hottentots“, seit der Gründung 1972 dabei: Horst Buchberger schlägt die Trommel, Walter Möwes bläst die Posaune und Engelbert Christmann das wuchtige Sousaphon.

Es ist der Auftakt für ein mehr als dreistündiges Konzert zugunsten der Altenhilfe der Frankfurter Rundschau, zu dem sich über die „Hottentots“ hinaus Stars der Jazzmusik aus ganz Deutschland eingefunden haben. Die Stimmung ist prächtig, die Bembel mit dem Ebbelwei kreisen, und die Helferinnen kommen mit den Schmalzbroten kaum nach.

Es ist ein Stück guter Tradition. Und doch ist in diesem Jahr auch alles anders. Denn 2015 ist das Jahr, in dem Hunderttausende von Menschen in Deutschland, auch in Frankfurt, Zuflucht suchen vor Krieg und Terror. Und Oberbürgermeister Peter Feldmann schlägt in seiner Rede den Bogen vom Willkommen für die Flüchtlinge zur Unterstützung der bedürftigen Alten.

OB Peter Feldmann sagt in seinem Grußwort "Der Respekt vor den Alten sei der Kern von Humanität".

OB Peter Feldmann sagt in seinem Grußwort „Der Respekt vor den Alten sei der Kern von Humanität“. Foto: Alex Kraus

„Die Stadt hat sich mit Kraft und Energie der Menschen angenommen, sie hat sich auch in dieser Frage untergehakt“, sagt der OB vor dem Altar der Kirche. So, wie auch die Frankfurter Rundschau Solidarität zeige. Der Respekt vor den Alten sei „der Kern von Humanität“, urteilt der Sozialdemokrat.

Feldmann kritisiert die „Drei-Tages-Christen, -Juden und -Muslime“ und erntet Gelächter, als er sich bei den „zugereisten Offenbachern“ in der Kirche bedankt. In Frankfurt lebten leider noch zu viele Menschen „im Schatten der glänzenden Hochhaus-Silhouette“. Es gelte, „alles zu tun, damit sich das ändert“.

Der OB zieht die Bilanz der Altenhilfsaktion: In 66 Jahren hat sie rund 30 Millionen Euro für die bedürftigen Menschen gesammelt. Altenhilfe-Geschäftsführerin Gina Lülves kann bekanntgeben, dass auch in der diesjährigen Kampagne schon rund 500 000 Euro zusammengekommen sind – und gesammelt wird noch bis Jahresende.

FR-Chefredakteur Arnd Festerling kann am späteren Abend eine der treuesten Unterstützerinnen der FR-Altenhilfe auf dem Podium begrüßen. Die 92-jährige Mäzenin Ursula Carls überreicht wie jedes Jahr einen Scheck über 10 000 Euro. „Ich bin gerne gekommen aus Königstein“, sagt sie lediglich – und Beifall brandet auf in der Kirche. Der OB dankt der Gründerin der gemeinnützigen Carls-Stiftung.

Die Scheckübergabe mit Mäzenin Ursula Carls und FR-Chefredakteur Arnd Festerling. Foto: Gina Lülves

Die Scheckübergabe mit Mäzenin Ursula Carls und FR-Chefredakteur Arnd Festerling. Foto: Gina Lülves

Und dann gehört die Bühne wieder den Musikern. Dem Pianisten Christoph Oeser zum Beispiel, der mit seiner Boogie-Woogie-Show das Publikum fasziniert, der so schnell spielt, dass das Auge seinen Händen auf den Tasten nicht mehr zu folgen vermag.
15 Musiker sind es, die an diesem Abend ein Kaleidoskop von Swing- und Blues-Klassikern aufblättern, allein sechs kommen von der HR-Bigband: Tony Lakatos etwa, der begnadete Saxofonist, oder Wilson de Oliveira, der Meister der Klarinette. „Über 500 Jahre Jazz-Erfahrung“, so Band-Leader Otto, bringen sie auf die Bühne.

Mit Leidenschaft bei der Sache: Bernd Otto am Banjo, daneben die Trompeter Klaus Osterloh und Martin Auer. Foto: Alex Kraus

Mit Leidenschaft bei der Sache: Bernd Otto am Banjo, daneben die Trompeter Klaus Osterloh und Martin Auer. Foto: Alex Kraus

Immer wieder finden sie im Spiel zum Zusammenklang, vier Saxofone etwa bei „Indiana“ oder Lakatos und de Oliveira gemeinsam am Saxofon bei „Jada/Doxy“. Ein Phänomen ist der 79-jährige Walter Möwes, der mit seinen kraftvollen Soli an der Posaune das Publikum mitreißt. Der langjährige FR-Redakteur Lothar Vetter, seit Jahrzehnten das Herz der Altenhilfe, erinnert auf der Bühne daran, wie er einst die „Hottentots“ gewonnen hatte zum Einsatz für die FR-Aktion.