Sein Leben sei durchzogen von schweren Krankheiten, sagt Otto F. (Name geändert). Der 72-Jährige lebt mit 15 Behinderungen.
Dadurch war er viele Jahre arbeitsunfähig, lebt heute von der Grundsicherung und einer kleinen Rente.
Ihren Anfang nahmen seine Einschränkungen mit einem Arbeitsunfall kurz vor dem dritten Lehrjahr seiner Gärtnerlehre. Ein Unfall, der ihn für drei Jahre arbeitsunfähig machte. „Damals musste ich einen Eisenträger tragen. Plötzlich hörte ich einen lauten Knacks, das waren meine Hüftkugeln, die herausgerutscht sind“, sagt Otto F.
Bereits zwei Jahre später folgte die nächste Einschränkung, als ein Genfehler sich erstmals bei ihm bemerkbar machte. Statt dem männlichen Geschlechtshormon Testosteron produzierte sein Körper das weibliche Geschlechtshormon Östrogen.
Eine Veränderung, die auch großen Einfluss auf seine mentale Verfassung hatte. „Von 1970 bis 1995 ging es mir so schlecht, dass ich mich nicht mehr als 100 Meter von meinem Haus entfernen konnte.“ Jegliche Suche nach einem Spezialisten sei damals fehlgeschlagen. „Keiner hat mich damals ernst genommen“, so Otto F.
Also habe er sich selbst mit Beruhigungsmitteln medikamentiert, was in einer Tablettenabhängigkeit resultiert sei. „Da gab es selten Tage, wo es mir einigermaßen ging, aber meistens eben nicht“, erinnert sich Otto F. zurück.
Erst viele Jahre später konnte ihm ein Arzt helfen. Mittlerweile nutzt er Hormon-Gele, die er auf seinem Bauch aufträgt. Diese helfen ihm, sagt er. „
„Wenn man mich auf der Straße sieht, könnte man meinen, der Mann ist doch komplett gesund, aber das trügt“, sagt er. Die meisten seiner Behinderungen seien nämlich unsichtbar. Dies mache sie aber nicht weniger real.
Aufgrund seiner gesundheitlichen Einschränkungen war er viele Jahrzehnte arbeitsunfähig und konnte daher nicht in die Rentenversicherung einzahlen. Heute mangelt es ihm somit bereits an den finanziellen Mitteln für die Medikamente, auf die er angewiesen ist. „
„Mit dem Geld, das ich von der FR-Altenhilfe bekomme, kann ich auch meine Medikamente bezahlen“, erklärt Herr F., der seit 2017 von der Altenhilfe unterstützt wird. Dass es „so was gebe“, mache ihn froh und dankbar.
Besonders, da er gerade aus seiner Wohnung ausziehen muss. Dabei machen ihm nicht nur die Kosten zu schaffen, sondern auch das Zurücklassen einer ganz bestimmten Mülltonne. „Sie glauben gar nicht, was die Leute bei uns so wegwerfen.“
In der Mülltonne findet er Material für seine Bastelprojekte. Egal ob Draht, Karton, Schmuck, Styropor – er integriert es in seine selbstgebastelten, menschenähnlichen Figuren. Julia Rojewska