Als der Traum vom sorglosen Lebensabend zerplatzt, versinkt Rosemarie L. nicht in Schwermut. Sie hat stets nach vorne geschaut, ist den Fährnissen des Daseins optimistisch entgegengetreten.
Heute – etliche Jahre später – macht die 82-jährige Neu-Isenburgerin das Beste aus einer Situation, die von karger Rente, Grundsicherung und Altenhilfe gestützt ist. Mit etwa 330 Euro kommt sie durch den Monat, mit unverzagter Energie und Lebenslust.
Was 1943 mit der Geburt im damaligen Warthegau samt frühem Tod der Mutter und Adoption durch die Großeltern beginnt, führt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zuerst in die Rhön, dann nach Frankfurt am Main.
Anstatt nach der Lehrzeit im Bankenwesen zu bleiben, verlegt sich Rosemarie L. auf das Promotionsgeschäft, wo sie schnell Karriere macht. Selbstständigkeit ist ihr Ziel, eine eigene Firma.
Fast drei Jahrzehnte leitet sie schließlich eine Agentur, die überaus erfolgreich Kosmetik, Schmuck und Mode präsentiert. „Wir hatten die besten Leute“, sagt die ehemalige Sportwagenfahrerin im Rückblick und verweist auf ein von Loyalität und Begeisterung getragenes Betriebsklima. „Noch heute rufen mich ehemalige Mitarbeiterinnen an und schicken mir Päckchen zu Weihnachten.“
Ihre Menschenfreundlichkeit erlischt auch nicht, als sie einen befreundeten Anlageberater bei der Altersvorsorge zu Rate zieht. Der Mann veruntreut letztlich ein Vermögen – „was ich zurückgelegt hatte, war mit einem Male futsch“. Über Nacht wird Rosemarie L. zur armen Frau.
Längst hat die 82-Jährige neue Aufgaben gefunden. Ehrenamtlich kümmert sie sich um Hunde und Katzen, deren Besitzer verreisen wollen oder erkrankt sind. Sie stehe auch mit Tierheimen in Kontakt, sei fast täglich unterwegs. „Es tut mir gut.“
Wie auch die Zuwendungen der Altenhilfe. „Die sind so wichtig, vor den Spenderinnen und Spendern ziehe ich dankbar den Hut!“
„Mein kleines Auto“ ist gegenwärtig ihr „Ein und Alles“, ein Garant für Freiheit und Mobilität. Für die Kfz-Versicherung spart sie derzeit ebenso wie für benötigte Haushaltsgegenstände in ihrer Neu-Isenburger „Puppenstube“.
Während ihrer wohlhabenden Jahre, erinnert sich Rosemarie L., habe sie einer bedürftigen Rentnerin einmal spontan 400 Mark geschenkt. „Die Dame stand vor mir am Bankschalter und hatte noch 20 Mark auf dem Konto.“
Es sei ein sehr ergreifender Augenblick gewesen. „Ich bin davon überzeugt, dass das Gute immer zurückkommt.“ Olaf Velte