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„Innerhalb von wenigen Wochen stand ich finanziell nicht nur auf null. Ich stand auf minus, minus, minus“, sagt Dolores M. (Name geändert).

Die 74-jährige Brasilianerin musste schmerzlich erfahren, wie rasch ihr mühsam aufgebautes kleines Vermögen vor etwa 15 Jahren dahinschwand. Heute lebt sie von Sozialhilfe und einer kleinen Rente.

Dolores M. kam in den 70er Jahren nach Deutschland, als sie von der damaligen Militärdiktatur in Brasilien flüchtete. Als Lehrerin musste sie mit ansehen, wie viele ihrer Freunde und Kollegen grundlos verschwanden.

„Mein Unterricht wurde immer verfolgt. Ich wusste, es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie mich auch holen“, sagt sie. Alles, was nicht konform mit der Diktatur gewesen sei, sei verfolgt worden. „Selbst Bücher wurden verbrannt.“

Das erinnerte sie an die NS-Zeit in Deutschland, erzählt sie. So sei sie auch hierhergekommen, um zu lernen, wie sich Deutschland erholen und wieder aufbauen konnte. Schließlich sei sie aber länger geblieben, da sie hier ihren Ehemann kennengelernt hatte. Zusammen gründeten sie ein Bauunternehmen.

Nach 20 Jahren wurde der Betrieb jedoch eingestellt. „Damals hatte ich einen Betriebsleiter, der an Alzheimer erkrankte“, sagt sie. Das habe sie aber viel zu spät bemerkt – etwas, das sie heute eindeutig als ihren Fehler einstuft.

Bis dahin hatte der Mann aber bereits gravierende Fehler im Bau begangen. „Beispielsweise bestellten die Kunden eine Küche, die direkt mit dem Wohnzimmer verbunden sein sollte – er baute stattdessen eine Wand dazwischen.“

Fehler wie diese machten sich aber schnell bemerkbar und als sie ein Kunde verklagte, kamen immense Kosten auf sie als Bauträgerin zu. Allein die Anwalts- und Gerichtskosten hätten hunderttausend Euro betragen. Geld, das sie nicht hatte.

„Ich bin von oben runtergefallen. Das war ein riesiger Sprung“, sagt sie. Von da an lebte sie von Sozialhilfe. Ihren Sohn, der damals noch ein Teenager war, hätte das besonders getroffen, da er, anders als sie, nur das Leben mit Geld kannte.

„Es gibt aber Dinge, die sind viel wichtiger als Geld. Natürlich hat mir das auch wehgetan, aber ich musste nicht jeden Tag darüber weinen.“ „Nur manchmal“, ergänzt sie lachend. Umso dankbarer sei sie aber über die Hilfe aus ihrem Umfeld gewesen, das ihr finanziell unter die Arme griff, als sie keinen Zugang zu ihrem Bankkonto hatte.

Mittlerweile konnte sie auch diese privaten Schulden begleichen und kann ihrerseits Hilfe anbieten. „Viele Ausländer in meinem Haus können nicht gut genug Deutsch. Da begleite ich sie mal zum Arzt oder fülle ihre Anträge fürs Sozialamt oder Jobcenter aus.“ So versucht sie, die Unterstützung, die sie einst selbst erhalten hat, weiterzugeben.

„Ich bin auch sehr dankbar für die FR-Altenhilfe. Das Geld vom Sozialamt reicht zum Überleben. Mit der Altenhilfe kann ich mir und meiner Familie auch mal was gönnen“, sagt sie.

Letztes Weihnachten konnte sie so ihrem Enkel einen Laptop kaufen. Ein Geschenk, das ihr am Herzen lag. „Danke auch an die Menschen, die spenden. Das Geld kommt genau bei den Leuten an, die es am meisten brauchen.“ Julia Rojewska