Sänger Gerald Dinis begeisterte im August-Stunz-Zentrum als Elvis. (Bild: Monika Müller)
Elvis beugt sich zu der Frau in ihrem Bett hinunter und schaut ihr tief in die Augen. Dann säuselt er „You look like an angel“ in sein Mikrofon.
Die Frau lächelt, klatscht und tanzt im Sitzen bei der Zeile „You’re the devil in disguise“ sogar mit. Ein unvergesslicher Moment für beide.
Jener Elvis Presley, der am Mittwochnachmittag im August-Stunz-Zentrum der Arbeiterwohlfahrt im Ostend sang, war natürlich nicht der echte King. Aber Gerald Dinis aus Seligenstadt, „The Voice of Elvis“, wusste in seiner G.I.-Uniform aus der Zeit von Elvis’ Militärdienst zu begeistern. „Ihnen steht die Uniform“, erhielt er von einer Bewohnerin auch gleich ein Kompliment.
Für den 1971 geborenen Dinis ist der Auftritt im Frankfurter Pflegezentrum auch mehr Vergnügen als Arbeit. Er holt die Anwesenden mit kleinen Geschichten ab, reißt sie dann mit der Musik, seiner Stimme und vor allem seiner Präsenz mit. Und die Zuhörerinnen und Zuhörer? Die klatschen fast ununterbrochen mit, manche wiegen sich in ihren Rollstühlen, und andere stehen sogar auf und tanzen.
„Eine tolle Stimmung“, lobt ein Bewohner zwischen zwei Songs. Von denen hat Dinis vermutlich alle 711 von Elvis auf dem Kasten, aber er hangelt sich an den bekanntesten entlang, damit das Publikum auch mitmachen kann. So erklingen „Return to Sender“, „Can’t Help Falling in Love“ oder „G.I. Blues“.
Die Anwesenden erweisen sich als textsicher, singen mit, und immer wieder geht Dinis ganz nah ran, gibt den Frauen und Männern die Hand und singt einige direkt an. Dann gibt es plötzlich einen Musikwunsch: „Suspicious Minds“ würde ein Bewohner gerne hören.
Kein Problem. Dinis sucht die Hintergrundmusik schnell heraus und dann geht es auch schon los. „Because I love you too much, baby“, singt er ins Mikrofon und der Mann, der sich den Song gewünscht hat, steht auf, schwingt die Hüften und singt jedes Wort des Liedes mit. Für solche Momente trete er auf, verrät Dinis später.
Als er das nächste Lied beendet hat, kommt Gerald Dinis mit einer der anwesenden Frauen ins Gespräch. „Ich bin 94“, sagt die Bewohnerin zu ihm. „Ich könnte Ihr Sohn sein“, sagt Dinis überrascht. Dann stimmt der „Junge“ schon den nächsten Song an: „Wooden Heart“, bei dem wieder alle mitsingen können, denn eine Liedzeile heißt „Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus?“
Als Dinis sein Konzert für die zwei Gruppen von Bewohnerinnen und Bewohnern beendet hat, folgt noch etwas Besonderes. Erstmals gibt er auch persönliche Ständchen in einigen Zimmern. „Für mich ist es wirklich toll, dass ich heute Menschen erreichen kann, die nicht aus dem Zimmer können.“ Und auch diese Zuhörenden sind begeistert. „Elvis ist eine gute Sache“, sagt ein Mann.
Ermöglicht wurde der unvergessliche Tag für die Bewohnerschaft auch durch eine Zuwendung der FR-Altenhilfe in Höhe von 1.500 Euro. Steven Miksch