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Als Claudius W. in Polen aufwuchs, sprachen die Kinder zu Hause meist Deutsch. Die Oma stammte noch aus der anderen Zeit, konnte kein Polnisch.

In dem kleinen Ort bei Oppeln wurde viel Schlesisch gesprochen, es waren sprachlich stets zwei Welten. Die Kindheit mit Oma und dem älteren Bruder hat der 1955 geborene Mann in guter Erinnerung. Der Vater war als Monteur für ein Chemiewerk meist unterwegs, die Mutter als Sekretärin beschäftigt, die Oma immer da.

Als Claudius W. 20 Jahre ist, gehen die Eltern nach Deutschland, 30 Jahre nach Kriegsende auf zu neuen Ufern. Er selbst folgt ihnen im Jahr 1990, sieht sich als Spätaussiedler in der Zeit von Mauerfall und neuer Hoffnung.

Bei der Arbeit als Elektriker unter Tage im Bergbau hat er kurz zuvor einen Erdrutsch, bei dem ein guter Kumpel starb, knapp überlebt, zwei Monate vor der Rente. Er macht sich auf den Weg, kommt über Friedland in die Bundesrepublik, bekommt sofort einen Pass, wird Deutscher. Die Frau folgt drei Jahre später mit den beiden Töchtern.

Die ältere Tochter stirbt später bei einem Autounfall auf Besuch in der alten Heimat. Es ist ein Unfall, dessen Ursache nie richtig aufgeklärt wird. Ein Drama, das die letzte Verbindung nach Polen belastet, die Tochter wird bei der Oma beerdigt. „Heute sind die Alten alle tot“, sagt Claudius W.

Vor fünf Jahren war er zuletzt in Polen. Die Eltern haben die Grundlage in Steinbach im Taunus gelegt, es wird zur Heimat von Claudius W., er findet Halt auf dem Bau, macht alles vom Kranfahrer bis zum Lageristen, mischt Beton. Bis 63 hat er Arbeit, dann ist er noch zwei Jahre arbeitslos bis zur Rente.

Die Frau bekommt eine kleine Rente aus Polen; in Deutschland hat sie bei Penny gearbeitet und später im Altersheim. Heute führt die Familie ein bescheidenes Leben.

Das liegt ein bisschen auch daran, dass Herr und Frau W. heute ein getrenntes Leben führen. Sie bleibt in Steinbach, er wohnt in Eschborn. „Aber wir verstehen uns gut, besser als vorher“, sagt er mit einem Lachen. „Moderne Liebe im Alter“, bei der Entscheidung war er 65, sie 62 Jahre alt.

Ein Auto braucht Claudius W. nicht, er sei fit auf dem Rad und der Enkel in Steinbach, für den er „sein letztes Hemd geben würde“, halte ihn fit und jung, ebenso wie die zwei Trainingseinheiten pro Woche im Reha-Sport als Übungsleiter im Eschborner Verein.

„So wie es läuft, ist es okay, ich bin dankbar für das Leben. Man weiß ja nie, was kommt“, sagt er. Jetzt freut sich Claudius W. schon auf das Geschenk von der FR-Altenhilfe zum Weihnachtsfest – und die dadurch ermöglichten Geschenke für die Familie. Jürgen Streicher