Bild: Ruth Klesel

Tillmann G. war 57 Jahre alt, als er sich neu sortieren und in der Arbeitswelt umsehen musste. Kein gutes Alter, um im Arbeitsamt forsch aufzutreten.

Schon gar nicht als gescheiterter Unternehmer. So wurde das verbucht, als er damals die Reißleine zog, an der außer ihm 14 weitere Leute hingen.

Es war etliche Jahre richtig gut gelaufen. Seine Idee, Silikon in der jeweils gewünschten Farbe auch in geringen Chargen herzustellen, war auf dem Markt angekommen. Nur das Patentieren war nicht glattgelaufen.

Irgendwann stiegen die Großen in den Preiskampf ein und trieben G. in den Ruin. Auf eine neue Firma hatte er dann keine Lust mehr, der Arbeitsmarkt gab für ihn nichts her.

Über das Wohnungsamt Bad Homburg kam er aufgrund von Behinderungsgrad und seiner finanziellen Lage mit Glück zu einem Platz im Betreuten Wohnen im Haus einer Stiftung, die von der Stadt verwaltet wird. Dort ist sein handwerkliches Geschick gefragt.

Tillmann G. lebt noch heute dort. Der Frankfurter Bub mit dänisch-friesischen Wurzeln ist im Taunus angekommen. Sein Vater kommt aus Dänemark, sein Großvater war Zöllner an der Grenze zwischen den beiden Ländern.

Eigentlich wollte Tillmann G. nach der Zeit bei der Bundeswehr Lehrer werden, Fachbereiche Biologie und Chemie. In den Semesterferien arbeitete er im Vertrieb eines großen Zeitungshauses, dann gab er zwei Söhnen eines Unternehmers Nachhilfe. Deren Vater bezahlte dafür, man kam ins Gespräch, auch über den Lockruf des Geldes.

„Es war die Initialzündung für meine Zukunft“, sagt Tillmann G. heute. Er brach mit 24 sein Studium ab – und auf in das Abenteuer Selbstständigkeit. Dazu spielte G. als Keyboarder in einer Rockband, später wirkte er als Kirchenorganist in Frankfurt.

Mit der Aufgabe der Firma vor 16 Jahren war der Traum geplatzt, das Geld war dahin. Die Rente durch Bundeswehr und wenige feste Jobs ist nur ein Tropfen. Heute lebt Tillmann G. von der Grundsicherung im Alter, die Wohnung im Heim wird finanziert.

Vor vier Jahren wurde bei ihm ein bösartiger Prostatakrebs diagnostiziert, der gut behandelt werden konnte. Einige Zellen sind zurückgeblieben, gute Chancen soll nun eine achtwöchige tägliche Bestrahlung bieten.

Die dazu auch benötigten Pflegecremes sind teuer, die Kasse kommt dafür nicht auf. Kosten, die auch nicht in sein knappes Budget passen. Zum Glück gibt es schon seit einigen Jahren die FR-Altenhilfe. „Ausgesprochen dankbar“ ist er da, das habe schon vieles gerettet. Jürgen Streicher