Bild: Christoph Boeckheler

Seit mehr als 30 Jahren wohnt Abraham F. in Frankfurt. Fast ein halbes Leben lang also.

Ein Leben, das den Mann zwischen Afrika und Europa hin und her gewirbelt und am Ende in die Altersarmut geführt hat. „Zum Glück bin ich gesund“, sagt einer, der heute mit monatlich 300 Euro über die Runden kommen muss. Die karge Rente wird durch die Grundsicherung aufgebessert.

Seine Familie, so erzählt der 67-Jährige, stamme aus Äthiopien, sei aber vor dem Bürgerkrieg ins benachbarte Eritrea geflüchtet. Dort wird Abraham F. geboren, wächst ohne Vater und Schulbildung auf.

Der Sudan wird die nächste Station, bevor der junge Mann sich 1985 zur Reise nach Deutschland entschließt. „Die Arbeitserlaubnis war dann ein großes Problem.“ Acht Monate dauert eine Sprachschulung, die Ausstellung eines „blauen Passports“ muss gerichtlich bewilligt werden.

Schließlich führt der Lebensweg ins Hotelgewerbe, wo Spülen und Reinigen am Anfang stehen. „Zuletzt habe ich als Kellner im Steigenberger am Flughafen gearbeitet.“ Für den Äthiopier eine prägende und gute Phase. Viele US-Amerikaner gehören zu den großzügigen Gästen. Alkohol und Trinkgeld fließen – „das hatte damals etwas von New York“.

Abraham F. heiratet im Jahr 2004, wird Vater zweier Töchter und hat neue Pläne. Zurück an das Horn von Afrika soll es gehen, zurück in eine früh verlorene Heimat. Von seinen Ersparnissen gründet Abraham F. in Addis Abeba ein Taxiunternehmen, stellt schließlich zwei weitere Fahrer ein.

Doch der Alltag ist teuer und unruhig, innere Konflikte erschüttern das Land. Nach einigen Jahren wird die Metropole am Main erneut zum Rettungshafen. Doch nichts ist wie zuvor. Gesellschaftliche und persönliche Veränderungen sind zu bewältigen. Die Ehe wird geschieden, die Töchter siedeln um nach Holland.

Mit seiner Ex-Frau, sagt Abraham F. heute, bestehe keinerlei Kontakt mehr, überhaupt habe er kaum Bekannte. „Und die Kinder denken nur an sich selbst.“

Voll des Lobs ist der Wahlfrankfurter aber in Bezug auf seine zweite Heimat: „Die Deutschen sind gute und höfliche Leute, da bin ich sehr dankbar.“ Dankbar ist er auch für die Existenz der Altenhilfe. Seit 2022 legt er die regelmäßigen Zuwendungen zurück, spart, um für schwierige Situationen gewappnet zu sein.

Längst sei die Matratze im Bett durchgelegen, auch Sofa und Schrank müssten erneuert werden. „Nur die Altenhilfe kann dies ermöglichen“, sagt er.

Abraham F., der gern durch die Parks spaziert und mit dem Rad die Innenstadt erkundet, wird am Ende des Gesprächs nochmals nachdenklich: „Derzeit ist es für viele Leute schwer.“ Olaf Velte