Bild: Rolf Oeser

Die Insolvenz im Jahr 2000 hat Steffen B. die letzte Kraft gekostet.

Da ist der noch vorhandene Optimismus gänzlich versiegt, der damals 52-Jährige fällt in ein tiefes Loch. Nicht nur, dass er 14 Mitarbeitern kündigen muss, im selben Jahr wird er geschieden, die Frau reicht ebenfalls die Kündigung ein.

Für den Inhaber eines Unternehmens für Gebäudereinigung läuft alles schlecht. Er ist krank, finanziell ist die Lage verheerend, die Frau sieht nach 30 Jahren gemeinsamen Lebens keine Zukunft mehr.

Steffen B. wird in Fürth im Odenwald geboren, über die Familiengeschichte mag er nicht viel erzählen. Beim Umzug nach Düsseldorf, der Vater hat dort Arbeit gefunden, ist er ein Jahr alt.

Düsseldorf wird Heimat, später macht er dort nach der Mittleren Reife eine Ausbildung, lernt Zerspanungstechniker, setzt eine Ausbildung zum Technischen Zeichner drauf.

Von Düsseldorf zieht’s ihn wegen eines Jobs irgendwann zurück nach Süden, Neuanfang in Langen, wo er heute noch lebt. Da lernt er einen aus der Branche kennen, die ihm zum Verhängnis werden soll. Dabei hatte er hoffnungsvoll gedacht, „das kannst du auch selbst machen“.

Ein Großprojekt mit einer Klinik in Mainz hat Steffen B. das geschäftliche Genick gebrochen. Es ging um eine sechsstellige Summe insgesamt, angehäuft über ein Jahr, es gab Unstimmigkeiten.

Anfangs wird er noch bezahlt, dann werden Mängel eingeklagt, es kommt zum Crash, aus dem er als Verlierer hervorgeht. Da war er 52 Jahre alt.

In der Folge hat Steffen B. nur noch „hier und da gearbeitet“, da war er schon krank. Erst die Prostata, dann eine Niere weg, er braucht einen Blasenkatheter, „all so ein Mist“. In Langen eine preiswerte Wohnung zu finden, ist schwer geworden.

In einer kleinen Zweizimmerwohnung lebt er heute, immerhin, pflegebedürftig ist er trotz aller Einschränkungen nicht, aber „finanziell absolut auf Kante genäht, da darf nix dazwischenkommen“. Die Rente ist klein, Steffen B. braucht die Grundsicherung, um irgendwie über die Runden zu kommen.

Die FR-Altenhilfe ist für den 77-Jährigen ein kleiner Lichtblick. Seit sechs Jahren nun schon, „das tut gut“, sagt er. Da könne er sich mal was Neues für seinen Haushalt leisten, an mehr ist schon lange nicht mehr zu denken.

Gerade hat er Glück, dass er Unterstützung von den beiden Söhnen in ihren Fünfzigern bekommt, die nicht weit entfernt leben. Eigentlich sollte ein Leistenbruch operiert werden, aber nach einem Sturz mit heftigen Rippenprellungen geht gerade gar nichts.

Sitzen im Bett, weil liegen nicht geht, eine Kippe mal und einen Espresso, das sind die letzten Freuden im Leben. Jürgen Streicher