Bild: Michael Schick

Den Lebensabend wollte Valentin W. unter der Sonne Gran Canarias stimmungsvoll ausklingen lassen.

Der Verkauf von Photovoltaikanlagen war als Verdienstquelle fest einkalkuliert. Nach zehn Jahren kehrt der gebürtige Freiburger aber wieder nach Deutschland zurück – als verarmter Mann.

„Meine Ersparnisse“, sagt der heute 89-Jährige, „waren aufgebraucht.“ Die Rente ist seither mickrig, die Grundsicherung notwendig. Circa 500 Euro bleiben aktuell auf der monatlichen Habenseite für ihn übrig.

Die Eigentumswohnung in Gravenbruch ist ebenso eine schöne Erinnerung wie die frühen Jahre in den Diensten von Badischer Landesbank und Schweizer Bankverein.

Mittlerweile lebt Valentin W. in Frankfurt-Nied auf 54 Quadratmetern und versorgt sich weitgehend selbst. „Ohne Rollator, ich bin noch einigermaßen beweglich.“

Zum Haushalt gehört nach wie vor ein fahrbarer Untersatz, mit dem die Enkel in Seckbach und verschiedene Einkaufsmärkte besucht werden können. Seit 1954 fahre er Auto – „was ich mir anders nicht vorstellen kann“.

Die Altenhilfe unterstützt ihn seit 2015. Für den Senior „eine wichtige, wunderbare Sache, ganz klar“. Immerhin sind regelmäßig Versicherungs- und Steuerbeiträge zu entrichten, auch die sogenannten Lebenshaltungskosten müssen bezahlt werden.

Auf Achse war Valentin W. fast sein ganzes Berufsleben lang. Ende der Fünfziger verlegt er sich auf den Außendienst, vertreibt zunächst europaweit das Beizmittelsortiment eines Züricher Herstellers, „ein Top-Produkt“, wie er sagt.

Nachdem seine erste Ehe mit einer Frau aus Panama in die Brüche gegangen ist, siedelt er um nach Frankfurt am Main, wo ein Verlag neue Aufgaben für ihn bereithält. „Von 1976 bis 2003 habe ich für das Branchen-Telefonbuch Gelbe Seiten gearbeitet.“

Mit seiner zweiten Ehefrau ist der 89-Jährige noch immer verheiratet, wenn er auch nicht mehr unter einem Dach mit ihr lebt. Zu Tochter und Enkeln sei der Kontakt gut. Dass ihm die Sonne Gran Canarias gesundheitlich zugesetzt habe, erzählt der Wahl-Frankfurter nebenbei.

Umso zuträglicher ist jedoch seine Liebe zur Jazzmusik, die bereits in der Freiburger Zeit entflammt. Valentin W. besucht viele Konzerte – und fotografiert auch viel. Seine Aufnahmen und Kritiken erscheinen schließlich in Zeitungen und Zeitschriften.

Mehr als vier Jahrzehnte dokumentiert er die Jazz-Entwicklungen, reist zu Festivals nach Montreux und Nizza. Eine Leidenschaft, die bis heute anhält. Miles Davis ist ihm wichtig – und von John Coltrane besitzt er sogar ein Autogramm.

Derzeit sucht Valentin W. eine Heimstätte für seinen großen Foto-Nachlass. „Ein Archiv wäre der richtige Ort“, findet er, der manchmal auch noch Klavier spielt, „so ganz für mich allein“. Olaf Velte