Bild: Michael Schick

Claudia Sch. (Name geändert) hat mehr als 40 Jahre gearbeitet und einige Jahre in die Rentenkasse eingezahlt. Heute könne sie dennoch nicht von ihrer Rente leben, berichtet sie.

Ohne das Wohngeld, dass sie zusätzlich erhält, und ihre Tochter, die sich um etwaige Zuschüsse kümmert, würde die Rente „vorne und hinten nicht ausreichen“.

Dabei hatte sie einen guten Start ins Berufsleben. Als Fernsehmechanikerin hatte sie in der DDR für eine große Firma gearbeitet. „Feinmechanik hat mich schon immer interessiert. Ich war dann für das Innenleben von den Röhrenfernsehern zuständig“, sagt die 74-Jährige.

Mit der Wende seien aber westdeutsche Firmen gekommen. Die Treuhandanstalt habe ihre damalige Firma aufgekauft, woraufhin sie bankrott gegangen sei.

„Dann bin ich 1993 zu meiner Tochter nach Frankfurt gekommen“, erzählt sie. Anfangs wollte sie ihren Beruf als Fernsehmechanikerin nicht aufgeben.

Noch einigem Suchen musste sie aber feststellen, dass sie in einer anderen Branche mehr Glück haben werde. „Als Frau hatten sie mich alle nicht genommen“, sagt sie. So ging sie schließlich in die Kundenberatung bei einem Versandhaus.

Als sie 2007 schwer an Krebs erkrankte, konnte sie auch diesen Beruf nicht länger ausüben. Dass sie aber 13 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hatte, sollte sich nicht auszahlen. „Ich habe nie verstanden, warum ich nur die Ostrente bekomme. Wehren gegen solche Bescheide kann ich mich aber nicht“, sagt die 74-Jährige.

Dabei sei die Rente aus der damaligen DDR deutlicher niedriger „als das, was jemand aus dem Westen erhalten hätte“.

Nach einem Schlaganfall, den sie 2020 erlitten hatte, sei auch ihr Sprachvermögen eingeschränkt. Umso dankbarer sei sie über ihre Tochter, die ihr bei Telefonaten oder Dokumenten aushelfe.

Diese wiederum sei wütend über die finanzielle Situation ihrer Mutter. „In Deutschland gibt es so viel Altersarmut und statt dass sich darum gekümmert wird, dass Rentner teilweise Glasflaschen sammeln müssen, werden Kriege finanziert“, sagt ihre Tochter.

Dass es Einrichtungen wie die FR-Altenhilfe gibt, mache sie aber froh. „Da können sich Rentner um die Weihnachtszeit auch mal was Schönes leisten“, sagt sie.

Ihre Mutter könnte sich mithilfe der Spendengelder auch mal neue Stiefel oder eine neue Jeans kaufen – Ausgaben, die normalerweise kaum möglich seien. Julia Rojewska