Bild: Monika Müller

Im Alter von 50 Jahren kommt für Hugo S. ein Wendepunkt. Sein Vater stirbt und hinterlässt eine demente Frau.

„Ich habe meine Mutter dann sechs Jahre lang gepflegt, rund um die Uhr.“ Er kann seinem Beruf nicht mehr nachgehen, verbraucht die verfügbaren finanziellen Mittel. Nach dem Tod der Mutter seien die psychischen Belastungen zutage getreten.

In einem Bornheimer Beamtenhaushalt aufgewachsen, war ein Verlassen des Frankfurter Stadtgebiets keine interessante Option für den heute 75-Jährigen. Im Riederwald bewohnt der ausgebildete Groß- und Einzelhandelskaufmann mittlerweile zwei Zimmer mit Balkon und lebt wöchentlich von rund 100 Euro.

Zu einer 700-Euro-Rente kommt die Grundsicherung. Mit Leidenschaft wird gekocht und gebacken, sogar das eigene Brot. Wichtig ist ihm das täglich genutzte Fahrrad – „ohne wäre ich aufgeschmissen“.

Hugo S., der „die halbe Welt gesehen“ hat, verlässt nach seiner Lehrzeit das Elternhaus, zieht „an die Gemüsegärten Oberrads“ und wird Mitarbeiter einer Exportfirma, die schlüsselfertige Projekte für die „arabische Welt“ und Südamerika plant. „Schulen, Schlachthäuser, Betriebsstätten.“

Berufliche Reisen werden Tagesgeschäft, führen ihn nach Jordanien und in den Irak, nach Costa Rica und Venezuela. „Private Probleme in der Ehe“ bringen einen Wechsel der Verhältnisse.

Weil die Ehefrau ihren Bruder in Israel sehen möchte, fliegen sie 1988 gemeinsam nach Tel Aviv. „Dort sind wir für zwei Jahre hängengeblieben.“ Das dort gepachtete Caféhaus läuft anfangs prima, mit Einsetzen des kriegerischen Konflikts samt Anschlägen aber miserabel.

Hugo S. reist zurück nach Frankfurt, seine Frau folgt später. Doch ein Miteinander ist nicht mehr möglich. Ihre Ehe ist am Ende. „Man arrangiert sich mit dem Leben, so wie es ist.“

Eine geraume Zeit ist Hugo S., der sich lächelnd als „treuer Hesse“ bezeichnet, noch als selbstständiger Unternehmensberater unterwegs, bevor er zu seiner kranken Mutter ins Elternhaus zurückkehrt. „Es war eigene Dummheit, für die Altersvorsorge so wenig getan zu haben“, sagt Hugo S. im Rückblick.

Er wünsche sich nun eine längere Phase der Gesundheit. Und wehrt sich gegen eine seit einem Jahr anstehende Operation: „Ich habe das erlebt und will es nicht.“ Die Altenhilfe ist dem aufgeschlossen-hellsichtigen 75-Jährigen eine wichtige Stütze. „Gott sei Dank!“

Mit den Zuwendungen könne er sein Dasein seit nunmehr einem Jahrzehnt besser planen. So habe er sich einen neuen Kühlschrank besorgt – „der alte hat zu viel Strom verbraucht“. Olaf Velte