Bild: Michael Schick

Bequem hat es sich Gernot H. (Name geändert) in seinem Leben nie gemacht.

Keiner Arbeit ging er aus dem Weg, um seinen Unterhalt zu bestreiten. Aber das Schicksal warf ihm in seinen 77 Lebensjahren immer wieder Steine in den Weg.

Nach der 8. Klasse ging der gebürtige Frankfurter von der Volksschule ab. Er wollte eine Lehre zum Lastwagenschlosser machen. Die schwierigen Familienverhältnisse verhinderten jedoch, dass es zu einem Abschluss kam.

„Mein Stiefvater verlangte, dass ich zu ihm Papa sagen sollte. Für mich stand aber fest, das kommt überhaupt nicht in Frage“, sagt Gernot H.. Daraufhin sei die Mutter von ihrem neuen Mann unter Druck gesetzt worden. „Entweder ich oder die Kinder“, habe es geheißen. Die Entscheidung fiel gegen die Kinder, bedauert Gernot H.

Er wurde in Düsseldorf in einem Handwerkerstift untergebracht und musste dort eine Bäckerlehre beginnen. „Weil ich so oft abgehauen bin, wurde ich vorzeitig mit dem Vermerk ‚unverbesserlich‘ entlassen“, sagt H. Er zog dann zunächst zu den Großeltern. eine Anstellung fand er bei der Post, wechselte zu einem Abschleppdienst und verdiente schließlich sein Geld 35 Jahre lang als Anlagenführer in einem Betonwerk.

Trotzdem ist seine Rente zu niedrig, um davon die Miete zu bestreiten. Gernot H. erhält daher zusätzlich Wohngeld. „Ich lebe sehr sparsam und komme mit dem, was ich habe, über die Runden“, sagt er ohne Gram.

Seit zweieinhalb Jahren muss er nur sich selbst und den kleinen Hund versorgen. „Meine Frau hat uns nach 25 Jahren Ehe von jetzt auf gleich verlassen“, sagt er. „Sie war das Liebste, was ich hatte“, bemerkt H. über die Verstorbene.

Immer wenn es seine finanzielle Situation erlaubt, legt er einen kleinen Betrag beiseite. „Ich spare so für ihren Grabstein. Ein gebrauchter natürlich, der umgearbeitet wird“, betont der Witwer.

Zuwendungen von der Altenhilfe der Frankfurter Rundschau erhält er seit 2019. „Den Spendern kann ich nur danken“, sagt Gernot H. Das Geld ermögliche Ausgaben für alltägliche Dinge, die sonst für ihn nicht erschwinglich wären. Detlef Sundermann