Bild: Renate Hoyer

Für das Alter vorsorgen? – „Daran hat keiner gedacht.“ Alf O., 1951 im Schwabenland geboren und heute in Frankfurt-Sachsenhausen lebend, sagt unumwunden, was ihn in die Bredouille gebracht hat.

Wenn der Senior von seinem Lebensweg erzählt, häufen sich die Anekdoten und Namen der wechselnden Stationen. Seine Rente bezeichnet er als „minimal“, Grundsicherung und Altenhilfe müssen das Dasein sichern.

Zwar kann der auf 48 Quadratmetern Wohnende seinen Haushalt noch selbst erledigen, doch macht ihm sein schwaches Herz immer mehr zu schaffen. „Eine Operation steht an.“ Bypässe und Schrittmacher seien bereits Themen gewesen.

Mit Blick auf die aktuelle Situation sagt Alf O.: „Die Unterstützung der Altenhilfe ist das Beste, was es gibt!“ Nach dem Weihnachtsfest sollen von der Zuwendung dann „Schuhe im Ausverkauf“ besorgt werden. Ansonsten bleibe er beim Vorhandenen, trage auf, was im Schrank hänge. „Große Sprünge sind keine mehr zu machen.“

Aber der gelernte Koch kann auf viele „große Sprünge“ zurückschauen. Mit 14 einem schwierigen Elternhaus – „es gab nur Prügel“ – entflohen, wird das Berlin der 1960er zu einer von vielen Adressen. Er habe in den Privathäusern von Thurn und Taxis oder Bohlen-Halbach gekocht und „tausend Mark in drei Stunden“ verdient.

Der Karate-Club wird seine vorübergehende Heimat, eine Entsendung zur Deutschen Meisterschaft in Bochum eine Option. Alf O. ist ein unruhiger Geist, „risikofreudig“, sprunghaft. 1976 ist er in Thailand, wo er als Modell für Kaufhauswerbung arbeitet und sich nebenbei zwei Mal verheiratet. Insgesamt komme er auf fünf Eheschließungen – „und wahrscheinlich bin ich Vater einer in London lebenden Tochter“.

Nach Berlin zurückgekehrt, wird Alf O. Teilhaber beim „King George Club“, einem Rotlicht-Etablissement, das es auch heute noch in Schöneberg gibt. Er verdient viel Geld, fährt einen roten Porsche, und er beteiligt sich auch am Autohandel und einer Inkassofirma in Neu-Isenburg. „Es ging immer weiter.“

Episoden, Adressen, Beziehungen reihen sich aneinander. Indien, Rom und Teneriffa sind Ziele. In Rio habe er den Postzugräuber Ronald „Ronnie“ Biggs und den „schönen Konsul“ Hans-Hermann Weyer kennengelernt. „Ein tolles Leben!“ Und, naja, er habe ordentlich für seine Frauen zu bezahlen gehabt.

Dann, Anfang 60, endet sein Dasein als Glücksritter in Saus und Braus. Der einstige Koch steuert mit Nichts in den Ruhestand. Heute halten ihn „Illusionen bei der Stange“. An den Wänden seiner Wohnung hängen über 100 Fotografien: „Alles Leute, die mir etwas bedeuten.“

Der Kontakt zu seinen beiden Schwestern ist unregelmäßig, die Erinnerung an das Gewesene übermächtig. „Es gäbe noch so viel zu erzählen“, sagt Alf O. zum Abschied. Olaf Velte