Es gibt Dinge im Leben, die dürften einfach nicht zweimal passieren. Nicht in Zeiten der Aufklärung, etwa über das Kinderkriegen oder eben Nicht-Kinderkriegen mit Hilfe der Antibabypille.
Es dürfte nicht zweimal passieren, dass eine Frau ein Kind kriegt vom gleichen Mann, der statt dem Himmel nur die Hölle ins gemeinsame Leben bringt. Edith U. hat lange gebraucht, bis das Selbstwertgefühl über die Angst siegte und sie es schaffte, der Hölle den Rücken zu kehren.
Als sie mit 17 erstmals schwanger wurde, ist ihr die eigene geschiedene Mutter mit ihren vielen Problemen keine Hilfe. Die Mutter des vier Jahre älteren Mannes verordnet die Hochzeit und wird schnell zur „bösen Schwiegermutter aus dem Märchen“.
Die Schwangere wird wie eine Sklavin gehalten, ist „Mädchen für alles“ in der Wirtschaft der Schwiegereltern bei Wiesbaden, muss arbeiten und putzen, egal in welchem Zustand der Schwangerschaft. Es kommt zur Frühgeburt, ihr Andreas, so will sie ihn nennen, stirbt in der Klinik.
„Die Schwiegermutter hat das Kind auf dem Gewissen.“ Das hätte sie sich damals nicht getraut zu sagen. Eine Liebesheirat war das nicht mit dem ersten Mann, trotzdem wird sie wieder schwanger, mit 19 Mutter von Martin.
Das Drama aber geht weiter, der Mann will vor allem Alkohol, er schlägt sie, es gibt eine Messerattacke, sie erwischt ihn mit der Babysitterin im Bett. Diesmal ist es das Ende, Edith U. verschwindet aus der Hölle ihrer Jugend.
Den richtigen Mann wird sie nicht finden in ihrem Leben. Für eine Zeitlang wird es ein fünf Jahre jüngerer Mann aus Puerto Rico, den sie in Florida kennenlernt. Vier Jahre später die Heirat, die Ehe hält zehn Jahre, bis er doch Kinder will, obwohl er um das Risiko weiß.
Zwei schwere OPs am Unterleib übersteht sie knapp, dann macht er sich mit einer Landsfrau aus dem Staub. Seit 26 Jahren ist sie ganz allein, jetzt nur noch mit dem Hund, der ihr ein treuer Gefährte ist.
Erstmals kann Edith U. tun und lassen, was sie will. Sie arbeitet als Arzthelferin und Bürokauffrau, Altenpflegerin und Übersetzerin, beim ambulanten Pflegedienst, am Ende kommen inklusive Zusatzversicherung fast 900 Euro rum, mit Wohngeld kommt sie über die Runden.
Die Unterstützung der FR-Altenhilfe ist seit drei Jahren eine Stütze in ihrem Leben, wenn die Arztkosten zur Behandlung ihrer vielen Einschränkungen aus dem Ruder laufen. „Gott bin ich dankbar trotz der Last, die ich tragen muss.“ Jürgen Streicher